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Matthieu Séry

Matthieu Séry


2012, studio, Berlin.


Auf Spurensuche des Augenblicks


Wer würde nicht gerne manchmal die Zeit anhalten?

Wenn man die Werke von Matthieu Séry betrachtet, kann es einem passieren: die Zeit steht plötzlich still, oder hält er sie an?

Ganz unaufdringlich wird der Betrachter in den Sog der Welten, Farbfelder, Lichtgestalten, Formwunder von Matthieu Séry gezogen, und plötzlich hält man inne, atmet durch und beginnt zu sehen.
Die Vorschläge die er macht, die Welt zu betrachten sind oft abstrakt und doch behandeln sie essentielle Themen, die uns umgeben.

Licht wird verstärkt, Farben erhalten magische Kräfte, lösen sich von ihren Kontexten, Formen unterschiedlichster Art definieren sich neu, legen eine Struktur nahe, die die Welt in seiner Welt haben kann. Es scheint, als würde Matthieu Séry die Dinge unter einem Mikroskop betrachten wollen, weil er ihren Ursprung, ihre Seele erkennen will. Dabei zieht er keine Bilanz, sondern nimmt sich schlicht die Zeit es in seinem eigenen Tempo zu tun.

Viele Bilder, vor allem seiner jüngsten Schaffensphase, die zunehmend auf eine abstraktere Richtung hinweisen, geben sachte Informationen preis. Die Linien, die Knicke, die Tropfen auf dem Seidenpapier sind Spuren, die der Künstler hinterlässt, als wolle er den Weg zu einem Schatz oder einem Geheimnis darlegen. Ob er selbst das Geheimnis kennt, lässt er offen, so wie er auch dem Betrachter seiner Bilder es offen lässt, sich auf die Spurensuche zu begeben.

Das ist das Bestechende an der Art sein Universum zu beschreiben, es ist eine kraftvolle, unabhängige Sichtweise, die nicht dogmatisch an uns, als Betrachter, herangetragen wird. Grenzen existieren nicht, weder in der Art zu Sehen, noch in der Art ein Bild zu beschneiden.

Die Welten der Bilder von Matthieu Séry gehen auch über den Bildrand hinaus, sie führen weiter. Jenseits des Bildrandes führen die Spuren uns in den Tag oder die Nacht unserer eigenen Gedanken, was wir daraus machen, ist uns überlassen. Unsere Freiheit wird bestärkt, selbst zu denken und Gefühle über die Betrachtung des Diesseits zu zu lassen.

Das Seidenpapier, das Matthieu Séry für die meisten seiner Werke derzeit verwendet, stellt ein weiteres Indiz für die Freiheit seiner Schöpfung dar. Weg von der Leinwand hat er sich entwickelt, verwendet ein zartes Papier das in seiner Fragilität durch die Informationen, die es auf sich transportiert zugleich eigene Stärke gewinnt. Das Licht kann durch scheinen, teilweise transparent, vermögen die Lagen des Papieres die Wand hinter sich mit einzubeziehen, und den Hauch, den man selbst mit sich bringt, wenn man an einem Bild vorbeigeht. Es raschelt und beleuchtet die Poesie des Momentes und zwar nur des eigenen.

Poesie tragen die Werke von Matthieu Séry alle in sich, dem griechischen Wort poiesis verpflichtet, das nicht nur das Dichten meint, sondern auch die Erschaffung, das Verfertigen und freie Schöpfertum. Er ist ein Schöpfer seiner eigenen Welt, er ist ein Schöpfer seiner eigenen Zeitabläufe und wenn er malt dann dichtet er in dem Sinne, das er verdichtet.

Die Dinge in der Welt der Welt von Matthieu Séry werden verdichtet zu einer stillen Poesie der Schönheit und der Freiheit sich in den Augenblick zu versenken und alles zu erfahren, wozu wir uns selbst die Zeit nehmen.

Pola Pulver, Juni 2010


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Matthieu Séry

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